Gewalt und Narzissmus

Der Narzissmus ist die Kehrseite des Individualismus. Der Individualismus stellt Persönlichkeit und ihr Fortkommen im Vordergrund.
Für den Individualismus ist die Individualität das höchste Gut. Alles, was dem Individuum und seiner Entfaltung dient, wird gefördert. Der Individualismus stellt die Persönlichkeit in den Vordergrund und kämpft gegen den Einfluss der Gemeinschaft.
Vom Individualismus ist es nicht mehr weit bis zum Egoismus und zum Narzissmus. Der Egoismus ordnet alles dem persönlichen Fortkommen unter. Der Egoismus fragt: „Was nützt mir, was dient mir?“ Der Egoist sorgt sich nur für sich selber, er sorgt sich nicht für seine Mitwelt.
Der selbstverliebte Narzisst kennt ausser sich selber, keinen Menschen. Für ihn besteht die Umwelt aus Objekten, die alleine für ihn geschaffen wurden. Seine Freunde und Partner dienen seiner Befriedigung, sie haben weder Gefühle noch ein Eigenleben.
Der Narzisst billigt nur sich selber einen Wert und Gefühle zu. Alles ausser ihm selber sind Objekte. Objekte, die er nach Belieben benutzen und zerstören kann.
Weil der Narzisst seine Mitmenschen nicht als Individuen mit einem eigenen Geist und eigenen Gefühlen sehen kann, kennt er gegenüber der Gewalt keine Hemmungen.
Die nazistische Gesellschaft, die das Äussere und den Lifestyle über alles stellt, ist ein fruchtbarer Nährboden für die Gewalt.
 

Alexander Mitscherlichs “vaterlose Gesellschaft” und Christopher Laschs “Zeitalter des Narzissmus” haben sich Ende der neunziger Jahre zu einer radikalisierten Form jener Ego-Gesellschaft vereinigt, in der jeder Aufschub von Glücksmomenten als persönliche Kränkung aufgefasst wird. Jedes objektive Hindernis im Alltag erscheint als Sabotage an der Selbstverwirklichung im Hier und Jetzt. Was zählt, ist die Verschmelzung mit dem Augenblick, der Moment der einzig wahren Empfindung: ich und mein Magnum in der Badewanne.
Diese kollektive kindliche Genusssucht passt zur weit verbreiteten Abneigung gegen emotionale Bindungen und persönliche Verantwortung – ein Syndrom, das junge Karrieristen erst richtig fit macht für die mobile Massenkultur. Man ist jung, vital, dynamisch und keinesfalls zu dick, zugleich pragmatisch und flexibel und versteht es, auf den Wellen der wechselnden Moden zu surfen.
Was einst Jugend war und im Werther- oder Revoluzzerstil gegen die Welt der Erwachsenen rebellierte, ist durch einen flächendeckend synthetischen Jugendwahn der ganzen Gesellschaft ersetzt worden, bei dem sich die überlieferten kulturellen Abgrenzungen verwischt haben: 8jährige knacken Computersysteme von Staatsbehörden, 17jährige Gymnasiasten spekulieren an der Börse, während hochmobile Frührentner in Nike-Turnschuhen und mit aufgestülptem Walkman bei McDonald’s sitzen und haufenweise Chicken McNuggets in sich hineinstopfen. Quelle: Die Tyrannei des Kindischen

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Autor: gedankenblitze  •  7. Juli 2009  • Rubrik: Medien, Philosophie •  Kommentare (0) • 
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