Roman Polanski und die helvetische Blogsphäre
Wer schon immer den Verdacht hatte das Blogger wetterwendischer Haufen Hysteriker sind, der wurde letzte Woche in seiner Meinung bestärkt.
Die Affäre Polanski lässt die Blogger in einem schlechten Licht erscheinen. Viel Vernünftiges war aus der Blogsphäre nicht zu hören. Während sich die einen selbstgerecht in die Brust werfen und Roman Polanski in Grund und Boden verdammen, verlangen die anderen seine sofortige Freilassung.
Wie immer in solchen Fällen wird das Hirn ausgeschaltet und blindwütig in Tasten gehauen. Peter von „Klartexte im Getümmel“, empört sich bünzliger als alle Bünzlis über die Untaten des Roman Polanski. Ohne sich einen Gedanken über die Tragweite des Fall Polanskis zu machen, gibt sich Peter dem gesunden Volksempfinden hin.
Der sauglatte Bruder Bernhard legt noch einen drauf. Beseelt von der göttlichen Mission die Pädophilen auszurotten, schlägt er mit dem verbalen Zweihänder um sich.
Bruder Bernhard dämonisiert Roman Polanski und unterstellt ihm ein Kinderschänder zu sein, der sich mehrfach an jungen Mädchen vergriffen hat. Bruder Bernhard weiss alles besser, aber den Unterschied zwischen einem Kind und einen Jugendlichen kennt er nicht.
„Polanski ist zudem nicht einfach mal ausgerutscht, was zwar für den geschilderten Fall total unwichtig ist, aber die ganze Sache endgültig unappetitlich macht. Polanski hat einen Hang zu jungen Frauen, zu Mädchen, das ist allgemein bekannt, er gibt dies zu, Polanski ist krank und hat möglicherweise noch viel mehr Leid verursacht als dieses eine Mädchen gebrochen. Petition für Kindlivögler“
Als humanistischer gesinnter Zeitgenosse wünscht sich Bruder Bernhard das Kindlivögler Roman Polanski in den Knast kommt, und freut sich darauf des er auf der untersten Knaststufe Saures abbekommt.
Viel Intelligentes ist über Roman Polanski in der Schweizer Blogsphäre nicht zu lesen. Einer der besten Beiträge hat die Lupe abgeliefert. Zwei Ausnahmen stechen aus der dumpen Masse der Gegner und Unterstützer Roman Polanskis hervor.
Der Lupe betrachtet die Causa Polanski aus einem erweiterten Blickwinkel und macht sich darüber Gedanken, warum der Wunsch des Opfers nach Ruhe nicht respektiert wird.
Stephan Fuchs steuerte auf „Nachrichten Heute“ weiter interessante Aspekte bei. Er fragt sich, warum Roland Polanski für ein Verbrechen verhaftet wird, dass hochrangigen offenkundlich pädosexuellen Schweizer nachgesehen wird.
Das eigentliche Drama blieb unerwähnt. Genie, Wahnsinn und Verbrechen hängen zusammen, das Eine kann ohne das Andere nicht sein.
Die wahre Tragödie ist, dass das Gute unentwirrbar mit dem Bösen verkettet ist. Über diese Beschränkung nachzudenken, lohnt sich mehr als mit dem Mainstream mit zu heulen.
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Autor: gedankenblitze • 3. Oktober 2009 • Rubrik: Medien • Kommentare (14) •
Tags: Blog, Blogger, Blogsphäre, Roman Polanski
am 4. Oktober 2009 um 08:16 Uhr | #
Zum Glück gibt es ja noch diesen Blog hier, der nicht “alles besser” weiss, sondern am besten. Soviel Bescheidenheit in einem Beitrag – wow.
am 4. Oktober 2009 um 08:47 Uhr | #
Tin danke für Deinen Hinweis. Obwohl ich mich bemüht habe kein Urteil über Roman Polanski zu fällen, bin ich missverstanden worden. Ich versuchte nur die Begriffe zu klären und was vorgefallen ist zu verstehen.
Bruder Bernhard schreibt meines Erachtens unverdient über mich: „Man muss nur mal schauen, welche Extremisten die Schändungsrelativierer aus Film, Presse und Blogsphäre bedienen – Wasser auf die Mühlen der Pädophilierelativierer auf dieser Sexseite, beispielsweise.“ Peter von die Klartexte im Getümmel setzt einen drauf und hinterlässt mich bei mir im Blog folgenden Kommentar:
„Irgendwann werden Pädophile ganz normale Mitmenschen, so wie Juden und Homosexuelle ganz normale Mitmenschen wurden.
Das ist in der Tat ein Gedankenblitz: ein Schnellschuss, schräg, ja einfach nur Gaga.“
Da ich dies nicht einfach so auf mich sitzen lassen wollte, sah ich mit gezwungen eine Antwort zu schreiben.
am 4. Oktober 2009 um 11:31 Uhr | #
Nur ging die Antwort völlig daneben. Weil ihre Inbezugsetzung von Pädophilen mit Juden und Homosexuellen und ihre Entwicklung zu “normalen Menschen” immer noch und hoffentlich auf ewig völlig abstrus ist. Da geht es m.M. nicht um ein Missverständnis, sondern um einen totalen Blödsinn, den Sie da schreiben. Und ich bleibe dabei: Ein 13-jähriges Mädchen ist ein KIND – da gibts nicht zu relativieren, wenn ein 43-jähriger Mann ein solches Kind vergewaltigt.
am 4. Oktober 2009 um 18:46 Uhr | #
Und ganz offensichtlich ist man hier auch keinem Meinungsaustausch interessiert – man zensiert Kommentare. Das finde ich für einen Blog, der alles am besten weiss und anderen Zensuren verteilt, mehr als schwach.
am 4. Oktober 2009 um 19:32 Uhr | #
In meinen Beiträgen zu Roman Polanski habe ich weder pädosexuelle Straftaten noch Gewalt oder Vergewaltigungen gut geheissen.
Was ein Pädophiler und was ein Pädosexueller ist eindeutig definiert und nicht eine Frage der persönlichen Interpretation.
Legt man die Massstäbe, die immerhin durch empirische Forschungen erarbeitet wurde, dem Fall Polanski zugrunde, dann ist Roman Polanski kein Pädophiler. Das Interesse des Pädophilen erlischt in dem Moment an einem Kind, in dem es geschlechtsreif wird.
Es darf jeder glauben was er will, aber über die Definitionen die die Sexualwissenschaft festgelegt hat, lässt sich nicht streiten.
Ein Meinungsaustausch mit jemandem der sich weigert die Definitionen zur Kenntnis zu nehmen, ist nicht möglich.
In meinen bisherigen Antworten habe ich genügen weiter führende Links hinterlegt.
Tatsache ist, dass ein Pädophiler noch lange kein Pädosexueller ist. Es gibt Pädophile, die sich ihrer Veranlagung stellen und sich, bevor es zu einer Straftat kommt, freiwillig in Therapie begeben. Darum ist nicht statthaft, Pädophile und Pädosexuelle in einem Topf zu werfen.
Da es einfacher ist in vorgegeben Schablonen zu denken, ziehen es viele vor sich die Welt so zurechtzulegen, dass in die Schablone passt.
Was ein Sozialschmarotzer, ein Behinderter, ein Albaner, ein Pädophiler oder ein Straftäter ist, weiss jeder. Bei genauer Nachfrage fällt den meisten Alleswisser nichts anders als Stereotypen oder ein peinliches Schweigen ein.
10 Minuten googeln ist ein gutes Mittel um neue Standpunkte und Idee kennen zulernen.
http://www.onmeda.de/lexika/sexualitaet/paedophilie.html
http://www.praevention.org/paedosexuelle.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie
http://www.stopp-kinderpornografie.ch/3/de/1paedokriminalitaet/103paedosexualitaet.php
http://www.mira.ch/index.php?id=135
http://www.geschichteinchronologie.ch/ps/Palomino_paedophile-erkrankung-taeter-heilung.html
am 4. Oktober 2009 um 20:11 Uhr | #
Ein Pädophiler ist also einer ohne Sexualleben, sonst wäre er ein Pädosexueller. Das mag ja in einer Definition ja gehen – aber im realen Leben?
Nein, die Defintion stimmt so nicht, im Link Onmedia steht:
Pädophile Menschen erreichen sexuelle Befriedigung und Erregung überwiegend oder ausschließlich durch sexuelle Handlungen mit Kindern. Die Kinder sind dabei in der Regel noch nicht in der Pubertät oder befinden sich in einer frühen Phase der Pubertät. Der Pädophile ist dabei mindestens 16 Jahre alt.
Ein pädophiler Mensch hat alsodoch Sexualkontakt mit Kindern. Doch was ist jetzt der Unterschied zum Pädosexuellen?
Irgendwie ein Wirrwarr der Definitionen – hat das einen Hintergrund und Zweck?
Nochmals: Für mich ist Sexualkontakt von Erwachsenen mit Kindern schlicht nicht tolerierbar und auch nicht verhandelbar.
am 4. Oktober 2009 um 21:42 Uhr | #
Wenn jemand pädophil veranlagt ist, heisst das nicht, dass er automatisch Sex mit Kinder hat.
Sex kann auch sublimiert werden. Obwohl eine sexuelle Prägung nicht geändert werden kann, kann sie in eine andere Richtung gelenkt werden. (Ageplay, Fantasien, Rollenspiele, etc.)
Darum habe ich den Unterschied zwischen dem Pädophilen und dem Pädosexuellen gemacht.
Ein Pädophiler der sich rechtzeitig seiner Neigung bewusst wird und sich bevor er straffällig wird in Therapie begibt, dem gebührt Respekt für sein Verantwortungsbewusstsein und nicht die gesellschaftliche Ächtung.
Erwachsene die Kinder missbrauchen gehören ins Gefängnis, das ist diskussionlos klar.
Etwas anderes ist es, wenn ein 17 Jähriger mit einer 13 Jährigen eine Liebesbeziehung unterhält. Ob der 17 Jährige im Gefängnis gut aufgehoben ist, wage ich zu bezweifeln.
Um Prävention zu betreiben muss, verstanden, wie der Missbrauch zustande kommt, er fällt nicht einfach vom Himmel.
am 4. Oktober 2009 um 22:34 Uhr | #
Erwachsene die Kinder missbrauchen gehören ins Gefängnis, das ist diskussionlos klar.
Polanski war 43, das Mädchen 13 – wozu also die Riesen-Diskussion und die ständigen Versuche der Relativierung?
am 5. Oktober 2009 um 06:55 Uhr | #
Ich sehe nicht, was hier relativiert wird. Ich stelle nur fest, das Roman Polanski nicht das pädophile Monster ist , zu dem ihm gewisse Leute machen wollen, weil es ihren Interessen dient.
Roman Polanski gehört als Vergewaltiger hinter Gitter, aber mehr nicht.
Für das westliche Verständnis ist ein 13 jähriger Mensch ein Kind. In islamischen Ländern wird dies anders gesehen. Dort ist es zum Teil üblich, dass schon mit 13 Jahren geheiratet wird.
Entsprechend der Logik, die einige Leute an den Tag legen, wären Kulturen in den traditionellerweise mit 13 Jahren geheiratet wird, pädophile Kulturen. Ich möchte denjenigen sehen, der hinsteht und sagt die Türkei ist ein pädophiler Staat. Auf die diese schwachsinnige Idee kommt hoffentlich niemand.
Heute streitet man über den Bau von Minaretten. Minarette werden zu ehren des Propheten Mohamed gebaucht, der im 7. Jahrhundert als 50 jähriger die 9 jährige Aischa geheiratet hat. Komischerweise schreien diejenigen am lautesten gegen Pädophile, die sich am vehementesten für Minarette einsetzen.
am 5. Oktober 2009 um 09:45 Uhr | #
Ist ja schon erstaunlich…
Immer wieder wird vor der Islam kritisiert und betont, wie gewaltverherrlichend diese Religion sei und wie wichtig es für die Staatengemeinschaft sei, dass sich diese Religion endlich ins 21. Jahrhundert bewege. Auch die Stellung der Frau in dieser Religion wird immer wieder kritisiert.
Aber um Kindesmissbrauch zu relativieren kommt der Islam jetzt plötzlich ganz gelegen.
Das Ganze ist schlicht eine dumme und infame Heuchelei!
am 5. Oktober 2009 um 22:34 Uhr | #
In diesem Blog steht nichts Negatives über den Islam. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es Leute gibt die finden das 13-Jährige schützenswerte Kindern sind und es ok finden, wenn in der Türkei oder in Afghanistan 13-Jährige zwangsverheiratet werden.
Wo ist da die infame Heuchelei?
am 6. Oktober 2009 um 10:54 Uhr | #
Ok, das letzte Argument hat mich überzeugt – wir führen am besten bei uns auch den Islam mit seinen Gesetzen ein – dann kann MANN dann ohne Probleme 13-jährige nehmen.
am 14. Oktober 2009 um 15:04 Uhr | #
Der Islam ist eine Religion, die von Männer für Männer gemacht wurde.
Frauen spielen im Islam eine untergeordnete Rolle, vor allem der moderne Islam des 21. Jahrhunderts, mutet der Frau vieles zu:
Frauen dürfen nicht Rauchen = Schont das Gesundheitswesen.
Frauen müssen sich verschleiern = Spart Kosten für die Kosmetika.
Frauen dürfen nicht Autofahren = Schont die Umwelt.
Frauen müssen geschlagen werden = Billiger als Paartherapie.
Und im Falle des Ehebruchs, werden Frauen gesteinigt = Dass löst die Frage um das Sorgerecht und spart die Kosten für die Alimente.
(Achtung Sarkasmus!)
am 29. Dezember 2009 um 01:20 Uhr | #
Ich halte Polanski ebenfalls nicht für einen Pädophilen / Pädosexuellen – ein Pädosexueller mag kleine Jungs, wird aber sicherlich nichts finden an einer geschlechtsreifen weiblichen Person.
Klar, ethisch-moralisch betrachtet hat sich Polanski falsch verhalten, aber er wird SICHERLICH kein (!) ,,böser Vergewaltiger” sein.
Was macht denn eine 13jährige auf solch einer Party?! Wo waren die Eltern?! Und sicherlich geht man nicht in Sack & Asche auf solch einen Event.
Polanski hat in den 70ern mit seinem Geschmack für junge Mädchen (aber sexuell gesehen eben keine Kinder) über die Strenge geschlagen und falsch gehandelt, aber wenn man bedenkt, was er alles Gutes getan hat (nicht bloss mit seinem Werk), hätte er viel mehr verbrechen müssen, damit ,,wir” kein Auge mehr zudrücken könnten.
Also, zu den Akten mit dem Fall (der ja selbst das ,,Opfer” nicht juckt), und gut ist.
Es ist schon widerlich, wie sich z.T. unverdiente Leute heuchlerisch auf Kosten eines so verdienten Mannes wie Polanski profilieren wollen, der in meinen Augen durchaus Menschen bewegt hat mit Filmen wie ,,Der Pianist”.