Kultur der Lüge
Nichts fürchten die modernen Menschen mehr als die Wahrheit. Um sich nicht mit der Realität auseinandersetzen zu müssen, ist man dazu übergegangen, die Realität zu beschönigen.
Das grösste Tabu ist die Wahrheit auszusprechen, die Realität so zu beschreiben, wie sie ist. Es ist verboten schlechte Nachrichten zu überbringen, Lügen und Halbwahrheit sind immer willkommen.
Die Werbeindustrie, ein ganzer Wirtschaftszweig beschäftigt sich damit die Realität aufzuhübschen und wohlfeile Lügen in die Welt zu setzen.
Neger, Sozialschmarotzer, Ausländer und andere Randgruppen gibt es nicht mehr, sie haben alle wohlklingende Namen erhalten. Aber dafür werden sie schlechter als früher behandelt.
Einem Schwarzen Neger zu sagen ist verboten, aber darüber, das Afrika von den multinationalen Konzernen ausgeplündert wird, stört sich niemand.
Das Neusprech der Wirtschaft versteht kein normaler Mensch mehr, alles hat einen unaussprechlichen englischen Namen. Vorabeiter heisst heute Teamleader, ein Auftrag ist ein Projekt, ein Hilfsarbeiter ist im Minimum ein Assistant das alles wird von einem Head angeführt und über dem Schwachsinn thront der CEO.
Der Gang der Finanzkrise ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Realität beschönigt und in homöopathischen Dosen der Bevölkerung beigebracht wird. Alles, was dem Gott Mammon abträglich ist, wird verdrängt.
Die Politiker, die das System anführen, machen es vor. Sie versprechen das Blaue vom Himmel und vergessen sogleich wieder was sie gesagt haben. Werden sie auf ihre Widersprüche hingewiesen, dann heisst es: „Das habe ich gesagt, aber nicht so gemeint“.
Aber alle rund um die Tische, an denen der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP derzeit ausgehandelt wird, wissen, was der CSU-Ortsvorsitzende Kurt Taubmann dem CSU-Chef Horst Seehofer dieser Tage geschrieben hat: “Sie dürfen mich beim Wort nehmen”, habe Seehofer vor CSU-Funktionären im November vergangenen Jahres gesagt, “und daran messen: wenn ich ein schlechteres Ergebnis erziele als Herr Beckstein bei der Landtagswahl 2008 hatte, so werde ich als Parteivorsitzender und als Ministerpräsident zurücktreten.”
Genau das war der Fall. Beckstein hatte 43,4 Prozent geholt, Seehofer rutschte bei der Bundestagswahl noch tiefer – 42,5 Prozent. Eine Blamage für den CSU-Chef. Der Koalitionsvertrag ist Seehofers Schicksal
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Autor: gedankenblitze • 15. Oktober 2009 • Rubrik: Medien • Kommentare (0) •
Tags: Lüge, Neusprech, Politik